1958: Die Bundesbahn und der BDEF

Gründung des BDEF am 28. Juni 1958

Zur Gründungsversammlung des BDEF am 28. Juni 1958 schrieb der damalige erste Präsident der Deutschen Bundesbahn, Prof. Dr. Heinz Oeftering den Teilnehmern einen Brief, der das künftige Verhältnis von Bundesbahn und dem neu gegründeten Dachverband aus Sicht der DB beschrieb. Der Brief wurde vom Pressereferenten der DB, Herrn Dr. Kurze bei der Gründungsversammlung verlesen. Hier der  Wortlaut dieses Briefes:

db-altDie Deutsche Bundesbahn bildet einen wertvollen Bestandteil des deutschen Volksvermögens. Mehr als eine halbe Million Menschen stehen in ihrem Dienst. Ihr obliegt die Verpflichtung, den öffentlichen Verkehr nach gemeinwirtschaftlichen Grundsätzen zu bedienen. Von dem reibungslosen Ablauf ihres Betriebes hängt zu einem wesentlichen Teil Gedeih und Verderb der deutschen Wirtschaft ab. Sie erfüllt daneben noch wichtige staatspolitische und wirtschaftspolitische Aufgaben, die ihr kein anderer Verkehrsträger abnehmen kann.

Die Eisenbahnen haben niemals ein Monopol im rechtlichen Sinne besessen, wie etwa heute noch die Bundespost. Aber auch die Zeiten, in denen die Eisenbahnen aufgrund ihrer überlegenen Leistungsfähigkeit tatsächlich die Stellung eines Monopols innehatte, sind längst vorbei. Die Bundesbahn sieht sich heute dem immer mehr verschärfenden Wettbewerb anderer Verkehrsträger auf der Straße, in der Luft und auf dem Wasser gegenüber. In dieser Lage ist sie mehr als je zuvor auf das Verständnis und die Unterstützung möglichst breiter Schichten der Öffentlichkeit für die Maßnahmen angewiesen, die sie entweder selbst ergreifen oder bei den politischen Instanzen beantragen muß.

Aus diesem Grunde muß der Bundesbahn daran gelegen sein, die Kenntnis vom Wesen und von der technischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Eisenbahn in der Öffentlichkeit zu verbreiten und zu vertiefen. Dabei haben ihr die Vereine der Eisenbahnfreunde und der Modelleisenbahn schon bisher unschätzbare Dienste geleistet. Wir begrüßen es deshalb, daß sich diese Vereine nun zu einem Bundesverband zusammenschließen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Zusammenarbeit mit der Bundesbahn zu verstärken und zu erleichtern.

Die Bundesbahn hat weder das Recht noch die Absicht, in irgend einer Form in das innere Leben der einzelnen Vereine oder des Verbandes einzugreifen. Ihr liegt lediglich daran, allen Eisenbahnfreunden und Modelleisenbahnbauern bei der Pflege ihrer Interessen am Eisenbahnwesen hilfreich die Hand zu bieten. Wir wünschen dem "Bundesverband Deutscher Eisenbahn-Freunde" einen guten Anfang und eine gedeihliche Entwicklung.

gez. Oeftering.

Der damalige Pressereferent der Bundesbahn, Dr. Kurze, ergänzte diesen Brief um einige wichtige Aussagen, wie die Unterstützung der DB für den Dachverband und für die angeschlossenen Mitgliedsvereinigungen aussehen werde. In einem Bericht des Freundeskreis Eisenbahn Köln über die Gründungsversammlung sind diese Aussagen wörtlich wiedergegeben:

„Ich sehe eine Menge von Möglichkeiten, Ihnen behilflich zu sein“, sagte Dr. Kurze. Er bezeichnete die Freunde der Eisenbahn als wertvolle Bundesgenossen im Kampf um den Fortbestand der Bahn. „Aus diesem Grunde möchten wir (die Deutsche Bundesbahn) Sie nicht als Bittsteller ansehen. Die Deutsche Bundesbahn ist bestrebt, auf regionaler Basis eine intensive Zusammenarbeit mit den Vereinigungen der Eisanbahnfreunde herbeizuführen.“

Analysiert man diese Versprechungen von damals, erkennt man, dass die Freunde der Eisenbahn tatsächlich die ihnen zugewiesene Rolle der „wertvollen Bundesgenossen im Kampf um den Fortbestand der Bahn“ waren. Mit einer wahrhaft unzählbaren Anzahl von Veranstaltungen verschiedenster Art kämpften in den vergangenen 45 Jahren die Eisenbahnfreunde, die Modelleisenbahner und auch die Modellbahnhersteller für „Ihre“ Eisenbahn. Und, wie man sieht erfolgreich. Die Eisenbahn gibt es noch, der „Fortbestand der Bahn“ wurde – wenn vielleicht auch nur zu einem geringen Teil durch die Eisenbahnfreunde – sicher gestellt.

Auf der anderen Seite dieser Bilanz sieht es leider nicht so rosig aus. Zwar hat die damalige Bundesbahn lange Jahre massive und wertvolle Unterstützung geleistet, aber in der „Neuzeit“ scheinen die Versprechungen eines Prof. Oeftering in Vergessenheit geraten zu sein.

Wie viele Vereine von Modelleisenbahnern, Eisenbahnfreunden und Museumsbahnen gingen schon kaputt, weil ihnen die heutige Bahn die Existenz entzog – sei’s durch unbezahlbare Mietforderungen oder gleich durch Kündigung?

Wo gibt es noch die damals so beliebten und werbewirksamen gemeinsamen Veranstaltungen von Eisenbahnfreunden und Bahn? In den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es vermutlich das Wort „Marketing“ noch nicht – aber man handelte nach dem Prinzip. Gemeinsame Veranstaltungen von Bundesbahn und Modelleisenbahnclubs hatten damals die Idee, den Freunden des „Spielzeugs“ das Reisen mit der echten Bahn näher zu bringen und in umgekehrter Richtung die Bahnfreunde zum Hobby Modelleisenbahn zu „verführen“. Heute spricht zwar jeder von Marketing, aber werden die Grundsätze einfacher Werbegemeinschaften genutzt?

Vor mehreren Jahren gab es auch noch eine attraktive Zahl von „reisenden Modelleisenbahnclubs“, also Vereinen, die ihre Modellbahnanlage in einem Eisenbahnwaggon eingebaut hatten und damit auf Reisen gingen. Viele dieser Schauanlagen konnten von sich in Anspruch nehmen, so manchen Jugendlichen erstmals an den örtlichen Bahnhof „gelockt“ zu haben und ihm damit die Welt der Eisenbahn eröffnet zu haben. Wo sind diese „reisenden Clubs“ heute? Ausgebaute Anschlussweichen, unbezahlbare Trassenpreisforderungen und fehlende Rangierloks haben nahezu alle dieser Clubs zu stationären Vereinen gemacht. Die Bahn hat sich damit bestimmt viele Subventionsmittel gespart, aber auch den nicht quantifizierbaren Werbeerfolg für sich selbst!

In den vergangenen 45 Jahren seit Bestehen des BDEF hat sich in der Freundschaft zwischen Bahn und Bahnfreunden viel verändert. WIR wollen weiterhin die Freunde der Eisenbahn (des Schienenverkehrs) sein! Da das Leben bekannter Weise ein Auf und Ab ist, hoffen wir, dass in 45 Jahren der dann im Amt stehende Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Eisenbahn-Freunde von einer anhaltenden, höchst erfreulichen Belebung der Freundschaft seitens der Bahn berichten kann.

Unser Hobby ist und bleibt die Eisenbahn – unabhängig davon, wie intensiv unsere Freundschaft erwidert wird!