Gründung des BDEF am 28. Juni 1958

Bericht des FREUNDESKREIS EISENBAHN zu Köln
über seine Teilnahme an der Gründungsversammlung
des "Bundesverbandes Deutscher Eisenbahn-Freunde"
am 28./29. Juni 1958 in Frankfurt (Main)

Auf unserer Jahreshauptversammlung am 31.5.1958 wurde beschlossen, fünf offizielle Vertreter des FREUNDESKREIS EISENBAHN zur Gründungsversammlung eines gemeinsamen Dachverbandes der örtlichen Vereinigungen deutscher Eisenbahnfreunde Modelleisenbahner nach Frankfurt (M) zu entsenden. Die Versammlung wählte als Vertreter die Herren Berger, Böhme, Hartmamm und Ortsiefer, welche zusammen mit dem Vorsitzenden, Herrn Ernst, am Samstag, dem 28.6.1958 auf Einladung der Deutschen Bundesbahn mit dem FT 138 nach Frankfurt abreisten. Da die Herren Heimann, Heinrich, Kunkel und Reuber ebenfalls an der genannten Tagung teilnahmen, bestand die Kölner Delegation aus neun Mitgliedern.

Durch Vermittlung des VdEF Wuppertal fand am Nachmittag des 28. Juni eine Besichtigung des Bahnbetriebswerks Ffm-Griesheim statt, zu der sich bereits eine stattliche Zahl von Eisenbahnfreunden aus dem Bundesgebiet einschließlich Berlin einfand. Auch einige Ausländer nahmen an diesem Besuch teil.

Das Motto "Strukturwandel und Rationalisierung im Zugförderungsdienst der DB" sprach aus den dort zur Besichtigung abgestellten Fahrzeugtypen:

Neben den beiden modernen Dampflok-Bauartreihen 10 und 66 war auch der elektrische Eisenbahn-Betrieb durch eines seiner jüngsten Kinder, E 4 40 032, vertreten. Der Art des Bw Griesheim entsprechend nahmen die vorgeführten Diesel-Triebfahrzeuge jedoch den weitaus größten Rahmen ein. Es würde zu weit reichen, wollte man an dieser Stelle eine lückenlose Darstellung und Beschreibung derselben vornehmen. Allein die nachfolgende Aufzählung lässt die Vielfalt des Gebotenen erkennen:

Beginnen wir mit der aus Wehrmachtsbeständen übernommenen Lok-Reihe V 36, die vielerorts noch wacker ihren Dienst versieht und am Tage der Besichtigung eingehend "begutachtet" werden konnte. Daneben erregte ihre jüngere und zugleich kraftvollere Schwester V 60 Aufsehen und Anerkennung bei den Eisenbahnfreunden. Mit einem Geräuschdämpfer versehen stellt sich die allen bekannte DB-Nachkriegsentwicklung V 80 vor; sie unternahm innerhalb des Betriebsgeländes einige Probefahrten und stand anschließend zum Besuch offen. Auch die in verhältnismäßig großer Stückzahl in Ffm-Griesheim beheimatete Diesellokomotive der Baureihe V 200 fehlte nicht. Von Seiten des Personals wurde - neben guten Laufeigenschaften - der geräumige Führerstand und die von dieser Lokomotivtype ausgezeichnete Streckensicht hervorgehoben. Nicht vorgesehen, und vielleicht gerade deshalb besonders reizvoll, war die Auswechslung eines Drehgestells bei einer V 200 über die Achssenke der Lok- und Triebwagenhalle.

Ein weiterer "Ölqaulmer" verdient, in diesem Zusammenhang erwähnt zu werden; es handelt sich um die in ansprechenden Farbtönen gehaltene sechsachsige 3000 PS-Lok der Münchner Lokomotivfabrik Krauss-Maffai, die just am 28. Juni in Griesheim weilte. Sollte die in ihrer äußeren Form der V 200 sehr ähnelnde ML 3000 CC künftig als V 300 bei der Deutschen Bundesbahn eingestellt werden, oder war auch sie nur Gast bei der DB, wie zahlreiche andere Firmen-Lokbauarten zuvor?

Das Bw Frankfurt-Griesheim beherbergt und pflegt neben Lokomotiven bekanntlich auch eine stattliche Anzahl Dieseltriebwagen, von denen einige ebenfalls besichtigt werden konnten, angefangen beim deutschen Trans-Europ-Expreß VT 11.5, der planmäßig von hier aus eingesetzt wird, über den Ferntriebwagenzug VT 08 bis zum Bezirks-VT und den dazugehörigen Steuerwagen.

Der Nachmittag gestaltete sich zu einer aufschlußreichen und eindrucksvollen Besichtigung, die jedem der Teilnehmer einen Einblick in die ständigen Rationalisierungs- und Modernisierungsbestrebungen unseres größten Verkehrsträgers gab.

Wir danken den beteiligt gewesenen Herren an dieser Stelle nochmals recht herzlich für ihre Mühe und Gastfreundschaft.

Der Abend war mehr theoretischen Erörterungen gewidmet. So trafen sich die Mitglieder das VdEF Wuppertal und des VDMEC getrennt, um interne Besprechungen zu führen.

Für die Übernachtung standen in Frankfurt drei ehemalige Lazarett-Liegewagen des US-Transportation-Corps und ein alter preußischer Schlafwagen zur Verfügung, die durch die Deutsche Schlaf- und Speisewagengesellschaft (DSG) betreut wurden. Auch diesem Unternehmen gilt unser besonderer Dank für die gewährte Unterkunft im stehenden "Rollenden Hotel".

Am darauffolgenden Sonntagvormittag traf man sich um 9 Uhr im Volksbildungsheim am Eschenheimer Turm zur Gründungsvorsammlung des "Bundesverbandes Deutscher Eisenbahn-Freunde". Insgesamt 168 Mitglieder aus 32 örtlichen Vereinigungen von Eisenbahnfreunden und Modelleisenbahnern nahmen an dieser Zusammenkunft teil, zu der auch einige Gäste begrüßt werden konnten.

In einem einleitenden Referat erläuterte Herr Schneider (Wuppertal) die vorausgegangenen Besprechungen des "Vorbereitenden Ausschusses" mit der Deutschen Bundesbahn. In diesem Zusammenhang erfuhren die Teilnehmer, dass bereits vor vier Jahren die Bundesbahn eine Zusammenfassung aller örtlichen Vereinigungen vorgeschlagen und dieser weitgehende Unterstützung zugesichert hatte. Die unterdessen verflossene Zeit mag recht lang erscheinen, es darf jedoch nicht übersehen werden, welch intensive Kleinarbeit geleistet werden mußte, ehe man sich in Frankfurt zusammenfinden konnte. Daß auch hier noch eine Reihe von Problemen einer Lösung harrte, bewies die lebhafte Diskussion, die erfreulicherweise mit rein sachlichen Argumenten geführt wurde. Einige Punkte der vorgelegten "vorläufigen Satzung des Bundesverbandes Deutscher Eisenbahn-Freunde" konnten auf diese Weise abgeändert bzw. ergänzt werden. Unter Berücksichtigung dieser Änderungswünsche stimmte die Versammlung mit erfreulicher Einmütigkeit dem Satzungsentwurf zu.

Im Vorstand des neuen Dachverbandes sollten Eisenbahnfreunde und Modelleisenbahner gleichermaßen vertreten sein. So lautete der Wunsch, der seitens des "Verbandes Deutscher Modell-Eisenbahn-Clubs (VDMEC)" geäußert, von den Eisenbahnfreunden aber nicht weniger erstrebt wurde. Da sich die Versammlung offen zu diesem Prinzip der Gleichberechtigung und gleichen Verantwortung bekannte, erklärte sich der VDMEC als aufgelöst und empfahl den ihm bis dahin angeschlossenen Modelleisenbahn-Clubs den Beitritt zum BDEF.

Nachstehend geben wir unseren Freunden eine Aufstellung der mitgründenden Vereinigungen bekannt, die uns durch den mittlerweile in Aktion getretenen Bundesverband Deutscher Eisenbahn-Freunde zugeleitet wurde. Hiernach erklären sich als Gründer des BDEF

Modellbahn-Interessen-Gemeinschaft AUGSBURG
Modellbahn-Vereinigung BERLIN e.V.
Modelleisenbahn-Club BRAUNSCHWEIG e.V.
Freunde des Schienenverkehrs BREMEN
Modell-Eisenbahn-Club DELMENHORST
Modell-Eisenbahn-Club ESSEN und Umgebung e.V.
Modelleisenbahn-Club ESSLINGEN e.V.
Verkehrsfreunde ESSLINGEN-STUTTGART
Modelleisenbahnclub FLENSBURG
Modell-Eisenbahnclub FREIBURG
Modell-Eisenbahn-Club GEMÜNDEN/Main
Modelleisenbahn HAMBURG e.V.
Freunde der Eisenbahn e.V. HAMBURG
Freundeskreis Eisenbahn KÖLN
Modelleisenbahnclub LÜDENSCHEID/Westf.
Modell-Eisenbahnclub MARBURG/Lahn
Modell-Eisenbahn-Club MINDEN/Westf.
Modell-Eisenbahn-Club MÜNCHEN e.V.
Arbeitsgemeinschaft Modelleisenbahn MÜNCHEN-PASING
Modelleisenbahnclub MÜNSTER/Westf.
Modell-Eisenbahn-Club NEUMARKT/Oberpfalz
Modelleisenbahn-Club NEUSS e.V.
Modell-Eisenbahn-Club NEUMÜNSTER
Modell-Eisenbahn-Club NÖRDLINGEN
Modell-Eisenbahn-Club NÜRNBERG
Eisenbahn-Amateur-Club OBERKOCHEN
Modell-Eisenbahn-Club OSNABRÜCK
Modelleisenbahnclub SCHWEINFURT
Modell-Eisenbahn-Club STUTTGART e.V.
Verein der Eisenbahnfreunde WUPPERTAL
Modelleisenbahn-Club WUPPERTAL e.V.

Diese Vereinigungen verfügen über eine Mitgliederzahl von 1212 Personen. Augenfällig erscheint die zahlenmäßige Überlegenheit der Modelleisenbahn-Clubs. Gemessen an der Stärke der einzelnen Vereinigungen ergibt sich ein Gleichgewicht zwischen Modelleisenbahnern und Eisenbahnfreunden. Im Übrigen sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass es sich bei allen diesen Personen um echte Freunde der Eisenbahn handelt, die man nicht mehr getrennt aufführen sollte. Dahingehend äußerte sich Herr Dipl.-Ing. Schmidt, Stuttgart. Seine Ausführungen fanden lebhafte Zustimmung bei den Versammlungsteilnehmern und nicht zuletzt bei den Vertretern des FREUNDEKREISE ESIENBAHN, der sich bekanntlich auf beiden Gebieten betätigt.

Der Vorstand des neuen Dachverbandes besteht aus neun Personen, von denen fünf dem engeren Vorstand angehören. Es sind die Herren

Reuffurth, Albrecht, Oberhausen, Friedensplatz 5
( 1 . Vorsitzender )
Schneider, Hans, Wuppertal, Ottenbrucher Straße 4
( 2. Vorsitzender )
Bellingrodt, Carl, Wuppertal-Barmen, Siegesstraße 94
( 3. Vorsitzender)
Reuber, Arthur, Köln, Maternuskirchplatz 16
( Kassenwart )
Rupp, Werner, Minden/Westf., Kanaluferstraße 34
( Schriftführer )

Dem erweiterten (neunköpfigen) Vorstande gehören neben den Genannten noch folgende vier Herren als Beisitzer an:
Prof. Dr. Hävernick, Walter, Hamburg
Prof. Dr. Fiedler, Carl, Nürnberg
Schnellenbach, Egon, Essen
Wichers, Hellmut, Hamburg.

Mit Ausnahme des 4. Beisitzers, Herrn Hellmut Wichers, der mit Stimmenmehrheit gewählt wurde, erfolgte die Berufung einstimmig.

Als Kassenprüfer bestimmte die Versammlung die Herren Stromsdörfer, Hamburg und Grieger, Stuttgart.

Wir gratulieren allen Herren zu dem ihnen ausgesprochenen Vertrauen und hoffen auf eine nutzbringende und erfreuliche Zusammenarbeit mit dem neuen Bundesverband! Ein besonderer Glückwunsch gilt unserem Kölner Mitglied und Kassenwart, Herrn Arthur Reuber, zu seiner Berufung in den Bundesvorstand!

Daß die Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn dem Dachverband großes Interesse entgegenbringt, bewies sie durch die Entsendung ihres Pressereferenten, Herrn Ministerialrat Dr. Kurze, der den Anwesenden ein persönliche Schreiben des Vorsitzenden des Vorstandes der Deutschen Bundesbahn, Professor Dr. Oeftering, überbrachte. Dieser hatte ursprünglich die Absicht geäußert, selbst an der Gründungsversammlung teilzunehmen, musste aus dienstlichen Gründen jedoch kurzfristig absagen.

Im Anschluß an diese von allen Versammlungsteilnehmern lebhaft begrüßten Worte des ersten Präsidenten der DB hörten wir ein Referat aus dem Munde des Pressereferenten der HVB, Herrn Ministerialrat Dr. Kurze. Er führte u.a. aus:
Die Eisenbahn hat sich - begünstigt durch ihre technische Überlegenheit - bereits kurz nach ihrem Aufkommen an die Spitze aller Landverkehrsmittel gesetzt. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges hielt sie diesen Platz inne und befand sich praktisch in einer monopolistischen Anbieterstellung, obgleich eine solche de jure niemals bestanden hat. Von diesem Zeitpunkt ab griff der Staat ordnend und regulierend in ihr Gefüge ein. Sog. "gemeinwirtschaftliche Verpflichtungen", wie sie auch heute noch bestehen, wurden der Bahn auferlegt: die Beförderungspflicht (ohne Rücksicht auf Selbstkostendeckung), die Betriebspflicht, die Tarifbindung und die Gleichheit der Tarife im Raum.

Die DB ist der Auffassung, daß nur sie eine derartige gemeinwirtschaftliche Verkehrsbedienung durchführen kann. Sie anerkennt solche Auflagen vom Grundsatz her. Solange sich die Eisenbahn in der Situation eines Monopol-Unternehmens befand, ließen sich die hierdurch entstehenden Verluste durch Gewinne aus anderen Verkehrsakten kompensieren. Nun aber, da ihr die einträglichen Beförderungsaufgaben "unter der Hand" durch andere Verkehrsträger weggenommen worden sind, fehlen die Mittel zum Ausgleich der Rechnung. Das alljährlich wiederkehrende Defizit der DB liegt letztlich in Leistungen begründet, welche die Bundesbahn ohne Bezahlung auf Anweisung des Staates hin erbringt.

Die Deutsche Bundesbahn hat alle Mittel benutzt, um in der Öffentlichkeit Verständnis für ihre Belange zu wecken. Die Vereine der Eisenbahnfreunde wurden bisher jedoch nicht planmäßig unterstützt. Von Seiten der Bundesbahn bestehe nunmehr, nach Gründung des BDEF, der Wille, diesem Zustand abzuhelfen. Die Hilfe der DB sieht Herr Dr. Kurze auf folgenden Gebieten:

Freiwillige Angebote der DB, Neuigkeiten den örtlichen Vereinigungen zugängig zu machen,
Ermöglichung von Filmvorträgen,
Abhaltung von Veranstaltungen, auf denen Experten aus dem Eisenbahnwesen sprechen sollen,
Anleitung zum Modelleisenbahnbau durch Eisenbahner insbesondere in technischer Hinsicht,
Hilfe bei der Unterbringung einer Werkstatt,
Mithilfe bei der Literaturbeschaffung.

"Ich sehe eine Menge von Möglichkeiten, Ihnen behilflich zu sein", sagte der Redner. Er bezeichnete die Freunde der Eisenbahn als wertvolle Bundesgenossen im Kampf um den Fortbestand der Bahn. Aus diesem Grunde möchten wir (die Deutsche Bundesbahn) Sie nicht als Bittsteller ansehen. Die Deutsche Bundesbahn ist bestrebt, auf regionaler Basis eine intensive Zusammenarbeit mit den Vereinigungen der Eisanbahnfreunde herbeizuführen. Die Schaffung dieses Zustandes ist durch die Gründung des Dachverbandes erleichtert worden.

Herr Dr. Kurze bat die Vorstände der örtlichen Vereinigungen um Verständnis und Geduld innerhalb der Anlaufzeit dieser Aktionen. Naturgemäß läßt sich nicht überall ungehend eine großangelegte Unterstützung durchführen. Ferner regte er an, die Vorstände mögen zusammen mit den Organen der DB weitere Möglichkeiten einer Zusammenarbeit prüfen.

Die Bundesbahndirektion Köln sei an dieser Stelle dankbar bestätigt, daß sie viele der angeführten Punkte gegenüber dem FREUNDESKREIS EISENBAHN bereits verwirklicht hat.

Zum Abschluß seines Referates erklärte Dr. Kurze, die Bundesbahn werde keineswegs in die inneren Angelegenheiten weder des Bundesverbandes noch der örtlichen Vereinigungen eingreifen.

"Mit Ihrer Tätigkeit stellen Sie für uns eine wertvolle Hilfe dar. Ich wünsche Ihrem Verband eine glückliche Zukunft und erhoffe eine recht fruchtbare Zusammenarbeit für beide Teile!"

---
Zum Abschluß der Tagung galt es noch, sich über Ort und Zeitpunkt der nächsten Jahresversammlung des BDEF zu einigen. Mit großer Mehrheit entschieden sich die Teilnehmer, eine Einladung des FREUNDESKREISES EISENBAHN anzunehmen und im Frühjahr 1959 nach Köln zu kommen.

---
Mit einem letzten Höhepunkt, der Besichtigung des neu erbauten Zentralstellwerkes in Frankfurt Hbf, endete die Tagung am Nachmittag des 29. Juni 1958.

FREUNDESKREIS EISENBAHN
K ö l n

gez. Ernst.